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CK60 Stahl zum Messerschmieden !

Was ist der CK60 für ein Stahl?
Der CK60 oder C60E ist ein unlegierter Stahl bzw. ein Kohlenstoffstahl mit einem mittleren Kohlenstoffgehalt von 0,6% (0,57% bis 0,65%). Er wird unter der Werkstoffnummer 1.1221 geführt (siehe Stahlschlüssel). Praktisch identisch im Kohlenstoffgehalt aber mit höherem Schwefel und Phosphorgehalt ist der C60, welcher unter der Werkstoffnummer 1.0601 geführt wird. Ich ziehe den CK60 oder C60E aufgrund seiner größeren Reinheit dem C60 vor. Von seinen Eigenschaften her gesehen zählt er zu den Vergütungsstählen oder Federstählen. Ein Vergütungsstahl ist ein Stahl der durch den Prozess des Vergütens eine hohe Zugfestigkeit  erhält. Die Dauerfestigkeit, bzw. Elastizität wird ebenfalls erhöht. Beim Vergüten handelt es sich um einen Prozess bei dem der betreffende Stahl zuerst gehärtet und anschließend (relativ hoch) angelassen wird.

Wie ist seine Zusammensetzung?
Sein Kohlenstoffgehalt liegt wie oben geschrieben zwischen 0,57% und 0,65%. Außer Kohlenstoff wird dem Stahl kein anderes Element zugegeben. Lediglich die immer in der Schmelze vorhandenen Elemente Silizium (Si), Mangan (Mn), Phosphor (P), Schwefel (S) sowie in geringen Mengen Chrom (Cr), Molybdän (Mo) und Nickel (Ni) sind in ihm enthalten. Siehe auch Stahlschlüssel S.48.

Ausschnitt Eisen-Kohlenstoff-Diagramm
Mit 0,6% Kohlenstoff im Mittel liegt er etwas unterhalb des Eutektoiden Stahlbereiches von 0,8% (0,83%) wie links im Bild zu sehen ist. Sein Gefüge ist deshalb nicht rein perlitisch sondern hat neben dem Perlit noch ferritische Bestandteile. Nähere Informationen zum Eisen-Kohlenstoff-Diagramm und zum CK60 finden Sie im Artikel „Normalisieren von Messerklingen“.

 

Welche Eigenschaften hat der CK60?
Aufgrund seiner großen Verformbarkeit bei entsprechenden Temperaturen lässt er sich sehr gut schmieden. Die Schmiedetemperatur liegt im  Bereich von 1000/1050°C bis 800°C. Er verzeiht eine unsachgemäße Behandlung beim Schmieden relativ lange, weshalb er auch für Schmiedeanfänger recht gut geeignet ist. Er lässt sich gut und recht einfach normalisieren bzw. härten und nimmt eine hohe Ansprunghärte von bis zu 66 HRC an. Nach dem Anlassen sind 60 bis 61 HRC gut zu realisieren. Der CK60 wird als Wasserhärter geführt (bei Abschreckproben mit Querschnitten von 20mm und mehr). Relativ dünne Querschnitte wie sie bei Messerklingen üblich sind, lassen sich im Ölbad ohne signifikante Minderung der Ansprunghärte aber sicherer Härten. Seine Härtetemperatur liegt im Bereich von ca. 760°C bis 800°C. Aufgrund des Fehlens der entsprechenden Legierungselemente muss er sorgfältig bearbeitet werden da er bei Überhitzung leicht ein grobkörniges Gefüge bildet. Die gute Nachricht. Das grobe Korn lässt sich ebenso leicht wieder durch Normalglühen beseitigen. Die Anlasstemperatur bewegt sich im Bereich von 180°C bis 230°C.
Siehe auch hier:
Normalisieren von Messerklingen„.
Die Feuerschweißbarkeit ist sehr gut. Er verschweißt sehr leicht. Aufgrund des recht hohen Mangan Anteils von ca. 0,6% bis 0,8% zeichnet er eher dunkel im Stahl. Für spezielle Projekte wie das “ Härten im Lehmmantel“ ist der CK60 gut einsetzbar. Er bildet einen schönen Hamon (Härtelinie), welcher zwar nicht so plastisch wird wie z.B. beim C105 (1.1545), aber dennoch sehr schön zeichnet. Kurze Erläuterung: Bei der Härtelinie handelt es sich um einen Übergangsbereich in der Messerklinge zwischen dem martensitischen harten Teil der Schneide und dem ferritisch/perlitischen zähen Teil des Rückens. Der Hamon kann in gerader Form oder sehr stark geschwungen ausgeführt werden. Ich nutze zum Erzeugen einer Härtelinie eine spezielle Technik die ich an anderer Stelle ausführlicher beschreiben werde. Als Material zum Abdecken der entsprechenden Klingenbereiche nutze ich den Feuerbeton aus meinem Webshop. Er ist sehr feinkörnig, einfach zu verarbeiten und haftet gut an der Klinge.

Wofür wird er eingesetzt?
Der CK60 ist recht universell einsetzbar. Es lassen sich sowohl kleine Schnitzmesser als auch große Schwertklingen aus ihm Schmieden. Egal ob Jagdmesser, Kochmesser, Haumesser, große Outdoormesser, Meißel, Hämmer, Äxte, für alle diese Klingen und Werkzeuge ist er gut geeignet. Er ist nahezu universell einsetzbar. Aber aufgrund seines relativ geringen C-Gehaltes und des Fehlens nahezu aller Legierungselemente, vor allem solcher die durch Karbidbildung die Verschleißfestigkeit steigern, wird er zwar sehr hart und bleibt gleichzeitig sehr elastisch, besitzt aber eine geringere Verschleißbeständigkeit als höher legierte Messerstähle. Dafür kann man ihn sehr leicht nachschärfen. Die erreichbare Schärfe ist hierbei sehr hoch.
Ich verarbeite den CK60 sehr gerne. Trotz oder grade wegen seiner einfachen Struktur liefert der CK60 eine nahezu ideale Basie für sehr gute Messerklinge. Durch seine gute Veformbarkeit lässt er sich auch für kreative Arbeiten gut einsetzen. Oft schmiede ich kleinere Messerklingen um die 10 bis 12 cm für Jagdmesser, aber auch Kochmesserklingen in klassischer Form, Santokuklingen und große Outdoormesser schmiede ich aus dem Stahl.

Was sind seine Vorteile?
-gut zu schmieden
-leicht zu normalisieren, härten und anzulassen
-gut feuerschweißbar
-hohe Härteannahme
-seht gute Elastizität
-hohe Schärfe
-leicht nachschärfbar
-großes Einsatzspektrum
-verzeiht Fehler beim Schmieden

Was sind seine Nachteile?
-geringere Verschleißbesändigkeit
-nicht rostbeständig
-Grobkornbildung

In welchen Abmessungen ist er zu bekommen?
Den CK60 bekommt man hauptsächlich in runden Abmessungen. Dünne Platten bis 10mm sind nicht so häufig zu bekommen.
In meinem Webshop habe ich den CK60 als Rundmaterial in 20 und 25mm Durchmesser, 6mm Plattenmaterial und geschmiedete Schienen.

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Kommentare


Yacin 5. März 2017 um 7:45 pm

Hallo,
Erstmal vielen Dank fuer diese Seite!
Ich habe ein paar Fragen zur Anlasstemperatur von c60e.
Du hast in dem Artikel geschrieben dass die Anlasstemperatur bei 180-230 °C liegt,
im Werkstoffdatenblatt habe ich aber 550 – 660 °C min. 1h gelesen.
Haengt das damit zusammen dass ich bei 180-230°C das
Messer laenger auf dieser Temperatur halten muss (wenn ja Wie Lange?)
oder habe ich da etwas falsch verstanden?
liebe gruesse!

Antworten

wp-admin 5. März 2017 um 10:41 pm

Hall Yacin,
550 bis 660°C ist eindeutig viel zu hoch zum Anlassen.
Das Weichglühen bei dem der Martensit und damit die Härte verloren geht liegt beim C60E (aus dem Gedächtnis raus) bei ca. 680 bis 720°C
Mit 550 bis 600°C bist du irgendwo im Bereich Rekristallisation.
Das Anlassen, je nach Einatzzweck des Messers um die 180 bis 230°C ( evtl. auch nur 160°C oder auch an die 250°C…)
Darüber verliert er sehr schnell an Härte.
Die Dauer liegt bei ca. 1h oder auch 2 mal 3/4h.
Einmal anlassen genügt im Prinzip, da dieser Stahl nicht zur Restaustenitbildung neigt, der mit dem 2. Anlassvorgang beseitigt werden müsste.
Die Taschenbuchausgabe des Stahlschlüssels ist hier sehr von Nutzen
Grüße
Peter

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